Weinviertler Weisheiten

Sprüche und Redewendungen, gesammelt von Michael Staribacher

Mit Zeichnungen von Rudolf Schuppler

Format: 12 x 20 cm

Umfang: 136 Seiten

Einband: Hardcover

ISBN 978-3-9504937-3-3 Kategorie

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Beschreibung

Das Weinviertel hat nicht nur eine wunderschöne Landschaft und guten Wein anzubieten. Es hat auch mit einer Vielzahl von Sprüchen und Redewendungen aufzuwarten, die seit Jahrhunderten von einer Generation zur nächsten vorwiegend mündlich weitergegeben werden.

Michael Staribacher stellt in diesem Buch eine Auswahl dieser Weinviertler Weisheiten vor. Die meisten handeln vom Alltag der (Wein-)Bauern, aber auch vom Essen und Trinken, vom Wetter und den Jahreszeiten sowie vom Geld oder vom Heiraten. Die Weinviertler Weisheiten sind tiefsinnig und gescheit, liebenswert und amüsant, aber bisweilen auch derb und deftig. Die bunten Zeichnungen des Grafikers Rudolf Schuppler sorgen für deren humorvolle Illustration.

„Wia da Ocka, so de Ruim – wia da Voda, so de Buim.“

Übersetzung: Wie der Acker, so die Rüben – wie der Vater,so die Buben (Söhne). Bedeutung: Es kommt immer auf die Herkunft und Abstammung an. Die Söhne geraten oft nach dem Vorbild des Vaters, so wie auch nur auf guten Äckern und Böden gute Rüben wachsen. Herkunft: Weinviertel

„Dia wochst bei deina Oabat koa Bugl.“

Übersetzung: Dir wächst bei deiner Arbeit kein Buckel. Bedeutung: Die von dir verrichtete Arbeit ist nicht besonders schwer und auch nicht anstrengend. Also beschwer dich nicht! Und besonders schnell scheinst du auch nicht zu arbeiten. Herkunft: Weinviertel

„… und jetzt nau Speis weißna, daunn warat ois gscheng.“

Übersetzung: … und jetzt noch die Speisekammer kalken, dann wäre alles geschehen. Bedeutung: So sagt man an einem Tag, an dem bereits alles zusammengekommen ist und keine Zeit zum Verschnaufen war/ist. Herkunft: Altlichtenwarth

„Waunn da Windling bliat, hot da Baua koa Göd.“

Übersetzung: Wenn die Ackerwinde blüht, hat der Bauer kein Geld (mehr). Bedeutung: Im Juni blüht der Windling (die Ackerwinde), doch war zu dieser Zeit zumeist schon das „alte“ Erntegeld aufgebraucht. Herkunft: Immendorf

„Hochzeitsgost bringt vü Ehr, waunnst net ei(n)glondt bist, host mehr.“

Übersetzung: Hochzeitsgast bringt viel Ehre, wenn du nicht eingeladen bist, hast du (aber) mehr. Bedeutung: Es ist zwar ehrenvoll, wenn man bei einer Hochzeit geladen ist, das kostet aber natürlich Geld. Man hat also mehr, wenn man nicht eingeladen wird. Herkunft: Röhrabrunn

„Du wüst a Mau(n) sei(n)? Sauf a Goasmüli, waunnst nix vatrogst!“

Übersetzung: Du willst ein Mann sein? Sauf eine Ziegenmilch, wenn (du) nichts verträgst! Bedeutung: Wenn sich jemand heimlich aus der Zecherrunde im Weinkeller verabschiedet, bekommt er auch noch seinen Spott ab. Er soll in Zukunft keinen Rebensaft trinken, sondern die bekömmlichere Ziegenmilch. Herkunft: Weinviertel

 

Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Helga Maria Wolf  (Hier ein Auszug):

Immaterielles Kulturerbe ist dadurch charakterisiert, dass es von Generation zu Generation, meist mündlich, tradiert wird. Sprichwörtliche Redensarten sind ein klassisches Beispiel dafür. Sie dienten der Weitergabe von praktischem Wissen, verankert in einer vorindustriellen, agrarischen Lebenswelt. Sinnsprüche erlauben der Ethnologie Rückschlüsse auf Arbeit, Alltag und mentale Einstellungen in der Vergangenheit. In seiner „Volkskunde von Niederösterreich“ spricht der langjährige Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde, Leopold Schmidt, vom „weiten Gebiete der überlieferungsgebundenen Spruchweisheit, also des Sprichwortes und der Redensart, aber auch des Reimspruches und der Inschrift. … Es handelt sich dabei um weite, selbstständige Gebiete, die von verschiedenen Seiten her betrachtet werden können. Es ist dafür gar nicht so wenig Stoff gesammelt worden, doch völlig zerstreut, als ob man diesen heiteren Reichtum nicht wahrhaben wollte.“ …

Die einzelnen Stichworte sind übersichtlich gegliedert: Dem Originalton in Mundart folgen Übersetzung und Bedeutung. Schließlich erfährt man, aus welchem Ort die Redewendung stammt. In jedem Dorf gab und gibt es originelle Menschen, deren Redensarten mit der Zeit sprichwörtlich werden, wobei der Urheber unbekannt bleibt. Andererseits hat Leopold Schmidt betont, dass es sich häufig um „Wandergut“ handelt. Kalender, Flugblattlieder und gedruckte Sammlungen sorgten seit Langem für die Verbreitung der Sprüche.

 

Die Autoren

Ing. Michael Staribacher, geboren 1966, Eichenbrunner, Projekt-Berater und freiberuflicher Autor zahlreicher Bücher, u. a. „Eichenbrunner Sprachlexikon“, „HU is HU im Weinviertel“, „Weinviertler Dialektlexikon“, „Weinviertler Dialektlexikon Band 2“, „Der Walzerkönig des Weinviertels“. In der Edition Winkler-Hermaden ist von ihm bereits erschienen (in Zusammenarbeit mit Christian Wiesinger): „Sterzfresser und Gnackwetzer. Lexikon der Weinviertler Ortsspitznamen“.

Rudolf Schuppler lebt in Mistelbach und ist neben seiner Tätigkeit als Kinderbuchillustrator als Zeichner und Cartoonist für verschiedene Steuer- und Wirtschaftszeitschriften im In- und Ausland tätig.

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