Andreas Werner

Im Herbst 2021 waren wir in der Kunsthalle Krems und stießen auf die Ausstellung „Galaktal“, Andreas Werner. In einem abgedunkelten Raum wurden großformatige Zeichnungen, aufgehängt mit kleinen Klammern, präsentiert. Das weiße Papier der Zeichnungen leuchtete hell, dunkle Gebilde schauten uns an. Was ist das, war die Frage, die sofort auftauchte. Raketen? Roboter? Tempelanlagen?

Die Arbeiten sind alle gezeichnet, schauen auf den ersten Blick wie mit dem Lineal und Zirkel konstruiert aus. Bei genauerem Hinsehen sieht man Unregelmäßigkeiten, die Symmetrie ist oft gebrochen, die schwarze Farbe ist manchmal sehr dicht aufgetragen, manchmal scheint grau durch, es gibt glänzende und weniger glänzende Stellen. Vor einem „Krieger“ bleibe ich hängen. Das Werk ist 160 x 98 cm groß, zwei Schwerte hängen seltsam schmal auf einem wuchtigen Körper. Die Schwerte oder Arme sind unterschiedlich, was ich erst auf den zweiten Blick bemerke. Die Rüstung ist mit Ornamenten verziert, auch hier immer wieder Ungenauigkeiten. Die Augen sind helle Schlitze, die dem Gesicht etwas Böses geben, der Helm verläuft spitz nach oben. Beim genauen Hinschauen sehe ich auf dem Körper des „Monsters“ zwei Kreise. Sind das zwei Herzen? Zwei Orden? Als ich einen Schritt zurück trete, bin ich plötzlich nicht mehr sicher, ob ich nicht doch die Zeichnung eines Tempels vor mir habe. Breite Treppen führen zum Eingang und steigen hoch in den Himmel empor.

Wir wussten damals, dass Andreas Werner 1984 in Meseburg an der Saale geboren wurde und dann in Unterolberndorf, also in unserer Nachbargemeinde, lebte und arbeitete. Unser Entschluss, ihn dort in seinem Atelier zu besuchen, war schnell gefasst. Aber es dauerte, und wir kontaktierten ihn erst Anfang 2024 und erfuhren, dass er inzwischen in Wien lebt und arbeitet. Wir wurden aber sehr herzlich eingeladen, ihn in Wien zu besuchen.

Das Atelier liegt in einer sehr schönen Ecke Wiens. Von der U-Bahn spazieren wir durch den Währinger Park und nach einen kurzen Anruf, winkt uns Andreas Werner auch schon zu und wir betreten über zwei Stufen das Atelier des Künstlers. Der Raum ist gemütlich, an der Wand hängt eine riesige Zeichnung eines Tempels, in den Vitrinen liegen Raumrouten – diese Arbeiten wirken wie Sternensysteme – Orte an denen wir Gebäude, Wesen finden könnten, die hier an der Wand hängen?

Ein runder Tisch mit Kaffeetassen lädt uns zu einem Gespräch ein. Andreas Werner erzählt von den Anfängen seines Künstlerlebens, von den ersten Jobs in verschiedenen Galerien nach Abschluss seines Diploms. Inzwischen wird er von der Galerie Krinzinger vertreten, hat eine beeindruckende Anzahl von Preisen und Ausstellungen in großen Häusern.

http://andreaswerner.org/

In einem weiteren Raum des Ateliers ist ein großer Arbeitstisch. Stifte, Radierggummi liegen bereit. Fünf bis sechs Stunden pro Tag zeichnet Andreas Werner hier. Er zeigt uns ein Regal mit den verschiedensten Papieren. Er wählt sein Material immer sehr sorgfältig aus, Papier ist besonders wichtig. Einige Raritäten hat er vorrätig: zum Beispiel Skizzenpapier von William Turner oder Dokumentenpapier aus der k.u.k. Zeit. Er erzählt, dass ein Sammler seltener Papiere auch ein Sammler seiner Zeichnungen ist und so ergibt sich ein Tauschhandel zwischen Zeichnungen und leeren Papieren.

Im Sommer wird Andreas Werner in Sri Lanka arbeiten. Die Galerie Krinzinger hat dort ein Residence Programm, und im Herbst geht es dann nach Istanbul.

Beim Abschied vereinbaren wir noch, dass wir an der Planung einer Ausstellung im Rahmen des Forumschlosswolkersdorf arbeiten werden. Wir würden uns über das Zustandekommen dieses Projekts sehr freuen, und ich glaube, der Künstler auch!

Unsere Bestseller